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Berlin

Motorrad-Ausfahrten ab Berlin

Jede Ecke fährt sich anders – hier steht, welche wie.

Berlin ist kein Fahrrevier, und das gibt keiner zu, der ehrlich bleibt: Innenstadtring, Baustellen, Ampelketten und Tempo-30-Zonen sind für Motorradfahrer kein Genuss, sondern eine Geduldsprobe. Der Reiz liegt nicht in der Stadt, sondern im Rausfahren. Wer Berlin als Standquartier nimmt, hat einen Vorteil, den kaum ein anderer deutscher Ballungsraum bietet: In fast jede Himmelsrichtung liegt binnen einer knappen Stunde offenes Land, Wald, Wasser und leere Landstraße. Diese Seite behandelt genau das — die schönsten Ausfallrouten und Tagesrunden aus der Stadt heraus.

Berlin als Standquartier: erst raus, dann fahren

Das Umland Berlins ist flach — Norddeutsche Tiefebene, keine Serpentinen, keine Bergpässe. Wer Kurvenrausch sucht, ist hier falsch. Was die Region bietet, sind lange Alleen, ruhige Landstraßen durch Kiefernwald und eine dichte Kette aus Seen. Der Trick beim Standquartier Berlin ist die Richtungswahl nach Tageszeit und Wochentag: Am Wochenende zieht es die halbe Stadt an dieselben Ausflugsziele, deshalb lohnt der frühe Start. Nach Westen ins Havelland und an die Havelseen, wenn Wasser und Weite locken; nach Südosten an Müggelsee und Müggelspree, wenn es waldiger und stiller sein soll; nach Nordosten auf den Barnim und weiter in die Schorfheide, wenn man lange am Stück fahren will, ohne durch Ortschaften zu stottern.

Der schnelle Absprung: Berliner Ring und Radialautobahnen

Aus der Stadt herauszukommen entscheidet über den Tag. Der Berliner Ring (A10) umschließt die ganze Region und ist das Sprungbrett: draufziehen, in die passende Himmelsrichtung abbiegen, an der nächsten sinnvollen Abfahrt runter auf Landstraße. Die Radialen aus dem Zentrum bündeln den Verkehr — die historische AVUS (A115) führt nach Südwesten Richtung Wannsee und Potsdam, andere Ausfallachsen greifen nach Norden und Südosten. Autobahn ist hier reines Mittel zum Zweck: Sie überbrückt den zähen Stadtrand, damit die eigentliche Fahrt erst hinter dem Ring beginnt. Wer den Ring meidet und quer durch die Vororte tuckert, verbrennt die schönste Vormittagsstunde in Ampeln.

Nach Westen: Havelland, Werder und die Havelseen

Der Westen ist der klassische Wasser-Ausflug. Die Havel weitet sich hier zu einer Kette breiter Seen, und die Landstraßen ziehen an Ufern, durch Obstdörfer und über kleine Brücken. Werder an der Havel ist der bekannteste Ankerpunkt — Inselstadt, Obstanbaugebiet, im Frühjahr Ziel des Baumblütenfests und entsprechend voll. Wer weiter ins Havelland hineinfährt, findet die typische märkische Mischung aus Feldern, Kiefernforst und Alleen, dazwischen Fährstellen und Wasserblicke. Das ist keine Strecke für Tempo, sondern für das gemütliche Abfahren — Helm auf, Visier hoch, treiben lassen. Der Verkehr ist an sonnigen Wochenenden das größte Thema; unter der Woche liegt das Revier fast leer.

Natur

Grunewald, Havelchaussee und Wannsee: das Revier vor der Haustür

Man muss für ein bisschen Landschaft nicht einmal den Stadtrand verlassen. Der Grunewald ist Berlins großer Forst im Südwesten, und die Havelchaussee zieht als schmale Waldstraße direkt am Havelufer entlang — Kiefern auf der einen, Wasser auf der anderen Seite, mit Blick über die breite Havel. Für die Feierabendrunde oder als Aufwärmer vor der großen Tour ist das der kürzeste Weg zu etwas Grün. Der Wannsee schließt südlich an und ist Umschlagplatz für alles, was am Wochenende raus will: Badegäste, Ausflügler, Fahrradkorsos. Genau deshalb gilt hier dasselbe wie überall im Berliner Speckgürtel — früh fahren oder spät, aber nicht mittags in die Blechlawine.

Südosten: Müggelberge, Müggelsee und Müggelspree

Der Südosten ist die grünere, ruhigere Ecke der Stadt. Der Müggelsee ist Berlins größter See, die Müggelberge daneben sind die höchste natürliche Erhebung im Stadtgebiet — was am flachen Umland gemessen mehr Hügel als Berg ist, für die Region aber schon etwas heißt. Interessanter fürs Motorrad ist die Müggelspree: Die Spree mäandert hier durch Wald und Wiesen ostwärts aus der Stadt heraus, und die begleitenden Landstraßen führen durch stille Dörfer, über Wasserläufe und in Richtung der weiten Wald- und Seenflächen im Berliner Südosten. Wer diese Richtung als Absprung nimmt, hat sauber die Achse Richtung Osten und Südosten offen — dazu weiter unten mehr.

Natur

Nordosten: Barnim und der Naturpark

Der Barnim ist die Hochfläche nordöstlich der Stadt — eiszeitlich geformt, wellig statt bretteben, mit Kiefern- und Buchenwald, Feldsteinkirchen und den langen, geraden Alleen, für die die Mark bekannt ist. Der Naturpark Barnim reicht bis fast an den Stadtrand heran, sodass man aus dem Nordosten Berlins schnell in ruhige Landschaft kommt, ohne lange Anfahrt. Die Straßen sind schmal und wenig befahren, was sie zum angenehmen Landstraßen-Terrain macht — vorausgesetzt, man rechnet mit dem märkischen Standard aus Traktoren, Wildwechsel und ausgeflickten Belägen. Wer weiter nach Norden hält, landet fast automatisch in der Schorfheide.

Nach Norden: Schorfheide

Die Schorfheide nördlich von Berlin ist großes, zusammenhängendes Waldland — eines der dünner besiedelten Gebiete im Berliner Umkreis und Teil eines Biosphärenreservats. Für Motorradfahrer bedeutet das lange Etappen durch Forst, kilometerweit ohne Ort, mit dem geraden Rhythmus märkischer Waldstraßen. Das ist Dahingleiten statt Kurvenjagen: wenig Verkehr, viel Ruhe, klare Luft. Genau deshalb taugt die Richtung Norden gut für die längere Tagesrunde, wenn man einfach Strecke unter die Räder legen und die Stadt hinter sich lassen will. Wildwechsel ist hier real — in der Dämmerung entsprechend vorausschauend fahren.

Sehenswert

Potsdam und Sanssouci: Kulturstopp im Sattel

Potsdam liegt südwestlich direkt vor den Toren Berlins und ist der naheliegendste Kulturstopp einer Ausfahrt. Der Park Sanssouci mit dem gleichnamigen Schloss gehört zum UNESCO-Welterbe der Potsdamer Schlösser und Gärten und ist der lohnendste Grund, die Maschine kurz abzustellen. Anfahrt über die AVUS und die Havelquerung, dann durch die Seenlandschaft zwischen Berlin und Potsdam — die Strecke selbst ist schon die halbe Belohnung, weil sie über Brücken und an Wasser entlang führt. Als Tagesziel funktioniert Potsdam auch für Sozia oder Gäste, die weniger fürs reine Fahren und mehr für den Halt zu haben sind.

Natur

Fernziele mit Anschluss: Märkische Schweiz und Spreewald

Zwei Ziele lohnen den weiteren Ausgriff, gehören aber nicht mehr zum stadtnahen Revier, sondern sind Anschlussfahrten für den ganzen Tag. Nach Osten liegt die Märkische Schweiz — für Brandenburger Verhältnisse tatsächlich hügelig, mit bewegterem Gelände als der flache Rest, ein sinnvolles Ziel, wenn man die Achse über die Müggelspree ostwärts weiterzieht. Nach Südosten öffnet sich der Spreewald mit seinem Labyrinth aus Fließen und Kanälen, Biosphärenreservat und beliebtes Ausflugsziel; die Anfahrt führt durch die Wald- und Seenlandschaft südöstlich der Stadt. Beide sind hier bewusst nur als Richtungsangabe genannt — als Ziel am Horizont, nicht als ausgeführtes Revier.

Fahrfaktoren im Berliner Umland: Alleen, Kopfsteinpflaster, Wochenendverkehr

Drei Dinge prägen das Fahrgefühl rund um Berlin mehr als jede Steigung. Erstens die Alleen: Brandenburg ist Alleenland, und die kilometerlangen Baumreihen sind der eigentliche optische Reiz der Region — schön anzusehen, aber bei tiefstehender Sonne und im Herbst mit Laub auch mit Respekt zu fahren. Zweitens das Kopfsteinpflaster: Viele Dorfdurchfahrten und alte Alleen im Umland haben historisches Pflaster, das bei Nässe rutscht und Fahrwerk wie Handgelenke fordert — Tempo raus, locker bleiben. Drittens der Ausflugsverkehr: An sonnigen Wochenenden strömt halb Berlin an dieselben Seen und Ziele, Parkplätze und Ortsdurchfahrten verstopfen. Wer das Umland genießen will, fährt früh los, hält sich unter der Woche an die stillen Reviere und nimmt den Berliner Ring nur, um den zähen Stadtrand hinter sich zu bringen.

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